Geschichte der Küstenfunkstelle Scheveningen Radio (Teil 10 und Ende) |
Die Zeichen von TOR "Telex Over Radio", TOR, ist ein Übermittlungssystem das von Dr. Ir. H.C. A. van Duuren von der niederländischen PTT entwickelt wurde. Die eingebürgerte Abkürzung stand ursprünglich für "Teleprinting on Radiolinks" und gibt an, worum es sich handelt: Das Senden von Buchstaben die über Funk übermittelt werden. Dies beweist auch die Praxis. Auf einem Bogen Papier, das aus dem Teleprinter (oder Telexgerät) rollt, stehen die Schreibmaschinenbuchstaben des Berichtes der empfangen wird. Für jedermann lesbar, schwarz auf weiß, klar um als Telegramm an den Empfänger abgeschickt zu werden, es im Archiv aufzubewahren, oder es zu kopieren. Vielleicht ist es der allgemein lesbare Aspekt der für den Absender und Empfänger wichtig ist, vielleicht ist es die Einfachheit der Bedienung der Geräte. Die Technik die das Versenden und Empfangen von "TOR"-Signalen möglich macht, ist alles andere als einfach. Was passiert eigentlich? In wenigen Worten kurz beschrieben das folgende: In dem "TOR"-System bekommt jeder Buchstabe und jede Zahl ihren eigenen Code, irgendwie vergleichbar mit dem Morsesystem. Bei TOR besteht dieser Code aus 7 Einheiten, 4 Arbeits- und 3 Ruheeinheiten. Diese 7 Einheiten werden in 35 verschiedene Kombinationen aufgeteilt, wovon 32 für die Buchstaben und Zahlen sind. Die restlichen 3 haben eine technische Bedeutung. So eine Kombination macht Kontrollen möglich, welche die übermittelte Information auf der Empfangsseite nach dem Prinzip 4 + 3 = 7 prüft. Stimmt die Prüfsumme mal nicht, so ist die Kombination falsch, der Empfang wird gestoppt und es wird nochmals um das Übermitteln des fehlerhaften Zeichen ersucht: "Das Zeichen ist nicht komplett, besteht nicht aus 4 + 3 Einheiten und ist somit falsch, Wiederholen". Dieser Prozeß des Übermittelns und Wiederholens der Information wiederholt sich während der Übermittlung des ganzen Berichtes, jedesmal wenn die Gruppe bei der Überprüfung von den 7 Einheiten abweicht. Der Sender des Berichtes muß somit jeden Zweifel ausschließen bis der Empfänger zufrieden ist. Dies ist eine Tatsache, denn bei jedem Buchstaben oder jedem Zeichen wird der Code von 4 + 3 Einheiten überprüft. Erst wenn die Kombination stimmt wird das Zeichen gedruckt. Bei dem eben gesagten Vorgang wurden "Sender" und "Empfänger" gebraucht; damit werden die technischen Geräte bezeichnet, die der Benutzer braucht. Der Benutzer selbst merkt wenig von der technischen Abwicklung, alles geht automatisch und rasend schnell. So schnell, das zum Beispiel der Bediener an Bord meist ruhig mit seinem eigenen Tempo schreiben kann. Er braucht kaum technische Kenntnisse, die Technik sorgt selbst für die Kontrolle. Das bedeutet, daß ein Steuermann, ein Verwalter oder der Kapitän selbst am "TOR"-Gerät sitzen kann, vorausgesetzt, sie können mit der Schreibmaschine umgehen und wissen wie man die Verbindung mit der Küstenfunkstation herstellt. In den meisten Fällen wird dies der Funkoffizier sein, der nach der Telegrafie- und der Telefonie auch die "TOR"-Einrichtung bedient.
|
Flinke Finger für schnelle Übermittlungen!
TOR, "Telex-Over-Radio" |
In Ijmuiden beginnt einer der "TOR"-Empfänger zu ticken, "Scheveningen Radio" wird gerufen. Auf dem grünen Bildschirm werden die empfangenen Signale sichtbar, einer der Funker sucht die richtige Antenne für den optimalen Empfang, Kontroll-Lämpchen gehen an und aus. Dann, plötzlich ratteln die Zeichen aus dem TOR auf das weiße Papier. Reihen sich zu Worte zusammen die einen Sinn bekommen. Wort für Wort bis der Bericht fehlerlos empfangen wird. Das TOR tickt, aber nicht im Morsecode. |
Die Zukunft Bei "Scheveningen Radio" steht ein Computer der die Daten des gesamten Funkverkehrs mit den Schiffen speichert. Schnell und effizient. In naher Zukunft wird ein Computer den Prozeß der Verkehrsabwicklung überwachen. Es gibt Computer, die komplette Telefonzentralen steuern, die automatisch nachts die Saldi der Girorechnungen schriftlich ausgeben. Ein Computer gestaltet das Herz des ausgebreiteten Informations- und Kommunikationssystem welches "Viewdata" genannt wird. Es gibt sehr kleine Computer, Mikroprozessoren, die besonders schnell und zuverlässig äußerst komplexe Berechnungen machen. Viel schneller als ein Mensch das kann. Aber der Computer kann eines nicht, ebensowenig wie der Mensch, in die Zukunft sehen. Vorhersagen geben, dies ist eine undankbare Beschäftigung. Wenn die Vorhersage nicht zutrifft, oder auch viel früher oder später eintritt, dann ist sie bereits verspielt. Jemand hat einmal gesagt: "Ich werde nichts vorhersagen, sicher nicht über die Zukunft" ... Die Weiterentwicklung in der Kommunikation geht mit riesengroßen Schritten voran, so daß der Blick in die Zukunft viele Fragen aufwirft. Es ist kein "Schauen in eine Kristallkugel des Wahrsagers", vielmehr müssen die Möglichkeiten und Aspekte der heutigen Entwicklung der Kommunikation als eine geschätzte Fortsetzung von dem was schon besteht und aus den bekannten Daten gezogen werden. In diesem Sinne sind die zukünftigen Kommunikations- und Informationsmittel der Zukunft zu betrachten. Seit der Erfindung oder Entdeckung der magnetischen Kompaßnadel, des Kardanusrings im Sextanten und seit der seefahrenden Phönizier, den Wikingern, der vereinigten "Ostindischen Gesellschaft" und den Teeklippern, ist die Art und Weise der Ortsbestimmung auf See vereinfacht worden. Die Funkpeilungen, die Funksuchsender, das "Loran"-System der Großnavigation, das "Decca"-System der mittleren und kurzen Abstände sind verhältnismäßig alt. Wer kennt nicht, bei seinem Besuch von Rotterdam, Ijmuiden oder Hoek van Holland, die drehenden Antennen der Schiffe oder des Hafenradars? Sie dienen der Ortsbestimmung. Dies sind nur einige der zahllosen elektronischen Systeme, die die Navigation stark vereinfacht haben. Es gibt auch elektronische Echolote, die die Tiefe des Meeres an Ort und Stelle genau anzeigen sowie die Größe der "Fischschwärme". Der Autopilot ist nicht alleine ein Begriff der Fliegerei er hält auch Schiffe auf ihrem Kurs, unter Verarbeitung der Daten und Seekonditionen, Wetterumstände und Beladung des Schiffes. Bei der Offshore-Arbeit an der die niederländische Industrie einen sehr großen Anteil hat, sind elektronische Positionsindikatoren in Gebrauch die via Bildschirm die Pipeline auf dem Meeresgrund anzeigen. Vom Meeresgrund können mit Hilfe von sogenannten "Sonar"-Installationen Ausdrucke gemacht werden. Richtverbindungen der PTT sorgen für eine Kommunikation zwischen den Bohrinseln und der Küste, direkt von Telefon zu Telefon. Jemand der in den dreißiger Jahren diese Hilfsmittel vorausgesagt hätte, wäre wahrscheinlich sonderbar angeschaut worden. Es konnte nach dem damaligen Stand der Technik noch keine Leitung verlegt und durchgezogen werden. Dessen ungeachtet sind die Geräte gekommen und die Funkoffiziere an Bord der Frachtschiffe haben diese Geräte bedient. Nun ist die Satellitennavigation keine Wunder mehr Nun machen die internationalen maritimen geostationären Satelliten dem Seemann das Kommunizieren mit der Heimat noch angenehmer. Keine Sonne mehr schießen, kein astronomisches Besteck, aber Dank der Satelliten nahezu unmittelbar wissen wie die Position des Schiffes ist. Mit vielen dieser Einrichtungen hat "Scheveningen Radio" zu tun. Mit einigen indirekt, mit manchen direkt. Bei den Gesprächen der internationalen Beratungsorganisationen, die die Pläne der zukünftigen elektronischen Informations- und Kommunikationsmittel ausarbeiten sowie deren Einfluß für die Sicherheit auf See, werden Themen diskutiert, die 1985/1990 oder früher wichtig werden. Nicht alleine regieren ist die Voraussetzung ... Eine Thema das demnächst aufgearbeitet werden soll, ist das digitale "Selcal"-System, welches hoffentlich in naher Zukunft voll benutzt werden kann. In diesem Zusammenhang steht schon die mögliche Ausbreitung dieses Systems auf der Tagesordnung. Wie soll die elektronische Überwachung der Geräte an Bord, hinsichtlich der Sicherheit sein? Die automatischen Zentralen der Brand- und Rauchmeldung dienen als Vorbild. Auf großes Interesse bei den Beratungen trifft die Einführung der sogenannten "EPIRBS" (Emergency Position Indicating Radio Beacom). Dieses Gerät soll automatisch oder von Hand bedient, in Notfällen Alarmierung und Peilsignale aussenden. Es gibt Pläne zum Thema "EPIRB's", die sich mit der Benutzung eines Kommunikationssatelliten befassen. Die Kernfragen bei den zukünftigen Entwicklungen auf diesem Gebiet sollten folgende sein:
Dabei werden wieder andere Fragen aufgeworfen: Was sind die starken Seiten des Menschen und was kann er besser der Maschine überlassen? Wieviel Aufsicht muß er noch über die Maschine ausüben? Was bestimmt seine Motivation dabei? Inwieweit ist er betroffen von dem Geschehen? Bleibt er primär im Prozeß, bei der Beurteilung der unvorhergesehenen Situationen? Das Letzte ist namentlich die Basis, der Ausgangspunkt. Das Auftreten einer unvorhergesehenen Situation, das kann ein Schiffsalarm sein, z.B. ein beginnender Brand in Raum III oder ein Defekt am Steuer. Das kann ebensogut ein Anruf an den Funkoffizier sein, Ausschau nach einem Eisberg, Treibholz, eines Ertrinkenden oder eines anderen Schiffes zu halten. Ein solcher Anruf kann von einem anderen Schiffe kommen oder von einer der koordinierenden Küstenfunkstation wie "Scheveningen Radio". Was in der Zukunft alles dann nicht von automatischen Geräten an Land oder an Bord der Schiffe eintrifft, das soll in der Schiffskommunikation immer eine Frage des Menschen bleiben. Sei es als Mittelpunkt der unmittelbar Betroffenen, sei es als Bearbeiter der Signale für die Kommunikation oder als Informant. Die Technik soll immer als Hilfsmittel und Medium gesehen und gebraucht werden, als technische Zwischenstation im Verkehr zwischen den Menschen an der Küste und auf See. Die schnelle und zuverlässige Hilfe für den Seemann wie "Scheveningen Radio". SCH 1904, PCH 1979 oder welchen Namen dieses Bindeglied zwischen Schiff und Festland in Zukunft kriegen wird. |
Von
"Scheveningen-Hafen"/SCH zu "Scheveningen Radio"/PCH
Jahreszahlen und Plätze
Am 31.12.1988 stellte PCH den Betrieb auf Grenz- und Mittelwelle ein. An diesem Tage verabschiedete sich eine der größten europäischen Küstenfunkstellen überhaupt mit den folgenden Worten: cq cq cq de pch pch pch == at 2300 utc pch is closing down on 500 and 2182 kHz continuous watch on these frequencies will be taken over by netherlands coastguard station/pbk == old stations never die they just fade away + pch sk Am 31. Dezember 1998 verabschiedete sich PCH auf der Kurzwelle. Angekündigt war das Ende für 15.00 Uhr UTC. Um 14.45 UTC hatte ich meinen Empfänger eingeschaltet, um die letzten Worte von "Scheveningen Radio" aufzunehmen, aber um 14.48 UTC wurde einfach die Schleife abgenommen und es herrschte Stille auf den PCH-Frequenzen, ..... they just fade away! ...-.-
|